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Kahn & Arnold

Aufstieg, Verfolgung und Emigration zweier Augsburger Unternehmerfamilien im 20. Jahrhundert
Vom 27. Juni bis 26. November 2017

Die Familien Kahn und Arnold gehören zu den erfolgreichen Unternehmerdynastien der Augsburger Industriegeschichte. Diese nahm 1869 ihren Anfang, als Aron Kahn und Albert Arnold gemeinsam eine Textilgroßhandlung in der Fuggerstadt gründeten. Bereits 1885 waren die beiden Kaufleute in der Lage, die Augsburger Spinnerei und Weberei am Sparrenlech zu erwerben, die sie in den folgenden Jahrzehnten zu einem florierenden Textilunternehmen mit etwa 900 Beschäftigten ausbauten.

Die zweite Unternehmergeneration von Kahn & Arnold konnte am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Väter anknüpfen, als sie 1923 die Aktienmehrheit der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK) erwarb. Dem wirtschaftlichen Erfolg der beiden Familien entsprach auch deren gesellschaftlicher Aufstieg, der sich in einem beachtlichen Engagement für die Augsburger Stadtgesellschaft widerspiegelt.

Im Gefolge jedoch der nationalsozialistischen Machtergreifung fand die skizzierte Erfolgsgeschichte schon bald ein jähes Ende. Denn der systematische Antisemitismus der Nationalsozialisten verfemte und verfolgte die Familien Kahn und Arnold aufgrund ihrer jüdischen Herkunft. Die rassistische Politik des NS-Regimes zerstörte zunächst die wirtschaftliche Basis des Familienunternehmens – eine Zerstörung, die in der staatlich sanktionierten Enteignung („Arisierung“) des Unternehmens 1938 ihren Höhepunkt fand. Zudem zwang das Unrechtsregime eine Reihe von Familienmitgliedern in die Emigration. Mehrere Angehörige aus dem Familienkreis wurden von anderen Deutschen in den Konzentrationslagern Dachau und Theresienstadt ermordet.

Die sogenannte „Wiedergutmachung“ fand Mitglieder der beiden Familien auf die fünf Kontinente der Erde verstreut. Der zweifelhafte Ausgang der Wiedergutmachungs-Verhandlungen, die in einen Vergleich mündeten, war dazu angetan, dass weder die Kahns noch die Arnolds in Deutschland wieder wirtschaftlich Fuß fassen sollten.

Die Kabinett-Ausstellung zeichnet die Lebenswege der beiden jüdischen Familien über drei Generationen hinweg nach, die zugleich exemplarisch für die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts stehen können. Sie fragt nach der wirtschaftlichen Grundlage, nach dem gesellschaftlichen und politischen Engagement zweier deutscher Familien, die aufgrund ihrer Herkunft systematisch verfolgt, ausgeraubt und ermordet wurden. Die Ausstellung ist deshalb getragen von der Hoffnung, dass die längst fällige Erinnerung an diese Lebenswege einen kleinen Beitrag zur historischen Verantwortung der Stadt und des Landes leisten kann – eine Verantwortung, die heute unerwartet wieder an Aktualität gewinnt.

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