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Sonderausstellung

Glanz und Grauen – Mode im „Dritten Reich“
13. Mai bis 22. Oktober 2017

 

Die braunen Uniformen der Nationalsozialisten oder die fließenden Roben einer Zarah Leander – sie gelten als typisch für die Zeit des Hitler-Regimes. Die Ausstellung „Glanz und Grauen – Mode im Dritten Reich“ stellt Klischees wie diese in Frage. Das tim zeigt deshalb nicht nur elegante Abendkleider, Dirndl oder Uniformen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Alltagskleidung und Notgarderobe im Nationalsozialismus. Dabei erlangen vermeintlich banale Kleidungsstücke wie Hosen oder Jacken unerwartete politische Bedeutung.

Trug die typische Frau in der Zeit des Nationalsozialismus Dirndl, am besten mit Gretchenzopf? Oder kleidete sie sich elegant wie deutsche Leinwandstars? Wie sah die Kleidung der 1930er und 1940er Jahre aus? Die NS-Zeit ist so gut wie keine andere historische Epoche erforscht, aber mit der Frage nach der Kleidung hat sich bislang kaum jemand befasst. Aus diesem Grund sind viele Mythen entstanden, die die Ausstellung ideologiekritisch entlarvt.

 

  • Sonderausstellung Glanz und Grauen – tim augsburg

 

Pullunder, Uniformen und Abendroben
Die Ausstellung präsentiert auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern mehr als 120 Originalkostüme, Fotos, Modegrafiken, Zeitschriften, Kinderbücher, Spielzeug etc. Zu sehen sind die Kleidung im Alltagsleben, Uniformen des „Bundes deutscher Mädel“ und der „Hitlerjugend“, aber auch die „Kluft“ der „widerspenstigen“ Jugendlichen, der „Swings“ und der „Edelweiß-Piraten“. Die Spannweite der textilen Exponate ist groß: So stehen in der Ausstellung seidene Abendroben und raffiniert garnierte Kleider neben einfacher Alltags- und Berufsgarderobe, Kleidern aus Ersatzstoffen und solchen der Notkultur. Die Schau reicht bis hin zu kurzen Cordhosen, karierten Hemden, Pullundern, bestickten Kleidern, Kitteln und Spielhöschen für die Kleinen.

Ist Kleidung politisch?
Trugen die Menschen, was ihnen gefiel? Oder beeinflusste das Regime die Auswahl und die Art der Kleidung? Einerseits unterlag Mode auch im Nationalsozialismus internationalen Einflüssen: Die Filmstars glänzten mit langen Kleidern, edlen Stoffen und aufwendigen Schnitten.

Andererseits waren Rohstoffe knapp und Textilien Mangelware; die Nationalsozialisten verordneten Spinnstoffsammlungen und Kleiderkarten. Schließlich diente Kleidung auch der Ideologie von „Volksgemeinschaft“ und Rassismus: Die Uniformen für Parteiorganisationen, aber auch Parteiabzeichen oder die Plaketten für „Winterhilfswerk“-Spender schufen eine symbolische Einheit und demonstrieren sollten: Wir gehören zur vielfach beschworenen „Volksgemeinschaft“. Die Regierung diktierte anderseits „Judensterne“ als textile Kennzeichen für eine ganze Bevölkerungsgruppe, die sie rassistisch ausgrenzte und im weiteren Verlauf systematisch ermordete.

Enteignung und Verbrechen
Die Nationalsozialisten versuchten, die Materialknappheit auch durch Enteignung der Juden zu lindern. Die beschlagnahmte Kleidung wurde – als „Kleidersammlung“ getarnt – regimetreuen „Volksgenossen“ zur Verfügung gestellt. Deutsche Soldaten beuteten die besetzten Gebiete aus und schickten Kleidung in großen Mengen nach Hause. Im Zusammenhang mit der Materialknappheit stand auch die Schuhlaufstrecke im KZ Sachsenhausen: Deren Häftlinge mussten den ganzen Tag in unpassendem Schuhwerk im Kreis laufen, um neue Materialien für Schuhsohlen zu testen – und kamen dabei häufig zu Tode.

Die Perspektive der „kleinen Leute“
Die Ausstellung entstand aus einer Kooperation des LVR-Industriemuseums Textilfabrik Cromford in Ratingen mit dem Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Innerhalb eines Forschungsprojektes wurden zahlreiche Zeitzeugen befragt, Quellen gesichtet und textile Objekte untersucht. Viele Menschen kamen der Aufforderung nach, Kleidung aus der Zeit zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche private Spender brachten mit den Kleidern Fotos, Erfahrungen und Geschichten mit ins Museum, durch die nicht nur die Politik des Regimes, sondern auch die vielfältige Perspektive der „kleinen Leute“, der Beherrschten, dokumentiert und sichtbar gemacht werden konnte. Die Ausstellung markiert zudem das Ende einer Ära, denn künftig wird die Geschichtsschreibung im Dialog mit Zeitzeugen kaum noch möglich sein.

Das tim übernimmt die Ausstellung „Glanz und Grauen“ vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und erweitert sie um zahlreiche Exponate aus ganz Bayern.

Öffentliche Führungen
an allen geöffneten Sonn- und Feiertagen während der Laufzeit der Ausstellung.
Beginn: jeweils 14 Uhr
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Kosten: 4 Euro zzgl. Eintritt.

Bitte vorab anmelden unter tim@tim.bayern.de oder über die Buchungszentrale Telefon (0821) 81001-50.

Termine:
Mai: So, 14.5. / So, 21.5. / Do, 25.5 (Christi Himmelfahrt) / So, 28.5.
Juni: So, 4.6. / Mo, 5.6. (Pfingstmontag) / So, 11.6. / Do, 15.6. (Fronleichnam) / So, 18.6. / So, 25.6.
Juli: So, 2.7. / So, 9.7. / So, 16.7. / So, 23.7. / So, 30.7.
August: So, 6.8. / Di, 8.8. (Hohes Friedensfest) / So, 13.8. / Di, 15.8. (Maria Himmelfahrt) / So, 20.8. / So, 27.8.
September: So, 3.9. / So, 10.9. / So, 17.9. / So, 24.9.
Oktober: So, 1.10. / Di, 3.10. (Tag der Deutschen Einheit) / So, 8.10. / So, 15.10. / So, 22.10.

Gruppenführungen
Besondere Führungen für Schulklassen



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