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ARACHNE

Installation des Berliner Künstlers Jan Kuck im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim)

Die Installation „ARACHNE“ ist ein aus hauchdünnen Glasfasern gewebter Teppich, der an prominenter Stelle im Bereich der Dauerausstellung des tim zu sehen sein wird. Der 4,6 x 2,5 Meter große Teppich leuchtet von innen heraus in permanent wechselnden Farben und wirft, trotz seiner an Spinnenseide erinnernden Leichtigkeit und Anmut, fundamentale Fragen über unsere Gesellschaft auf.

Der Gedanke, der dem Werk zugrunde liegt, ist das ungleiche Verhältnis von Frauen und Männern in der Textilproduktion. Um diese Zweiteilung pointiert aufzuzeigen, hat Jan Kuck Teppichornamente entworfen, welche die Unterdrückung der Frauen in der Textilproduktion und die Gewinnausbeutung durch die männlich dominierte Textilindustrie symbolisieren. Andere Ornamente hingegen verweisen auf die Geschichte der mitteleuropäischen Textilproduktion. Der Verweis auf die Historie ist hier jedoch kein dramaturgischer Selbstzweck – viel mehr dient er dazu, das Heute zu erklären und zu verstehen. Jan Kuck führt damit den Betrachter von den europäischen Wurzeln der mitteleuropäischen Textilwirtschaft bis in die Gegenwart der globalisierten Textilproduktion.

Bei der Umsetzung dieser Inhalte hat sich Jan Kuck verschiedenster Motive bedient, die er zuerst stark verfremdet hat und dann von Hand mit Säure auf den Teppich „gemalt“ hat. Beispielsweise die Zeichnung einer altrömischen und für den Textilhandel wichtigen Handelsroute, Fotos einer Näherin und einer eingestürzten Textilfabrik sowie diverse Markenlogos, die er zu einer Krone neu arrangiert hat.

Aber auch einen alten Grundriss der Augsburger Fuggerei hat Kuck verarbeitet. Sie dient ihm als Beispiel, dass soziale Verantwortung und durch Stoffhandel erworbener Reichtum Hand in Hand gehen können.

ARACHNE ist zugleich aber auch eine doppelte Hommage. Einerseits an die hart arbeitenden Frauen, die unter meist schlimmsten Bedingungen günstige Bekleidung für die westliche Welt herstellen. Andererseits an die Schönheit, welche von starken und mutigen Frauen ausgeht, womit Jan Kuck den altgriechischen und eher negativ besetzten Arachne-Mythos ins Positive wandeln möchte.

Insgesamt ist so ein Werk entstanden, das nur auf den ersten Blick klassische Teppich-Ornamente aufweist, die jedoch bei genauerer Betrachtung das beschriebene Spannungsverhältnis zeigen. Die von innen heraus leuchtenden Fasern lassen das Werk weithin sichtbar werden und dienen zugleich als Metapher für den schönen Anschein und die magische Anziehungskraft, die Textilen seit jeher erzeugen.

Konzept und Kuration: Elisabetta Bresciani
Konzeption und Ausführung: Jan Kuck
Produktion: Bernheimer Contemporary, Berlin
Unterstützt durch die Allianz Art Privat

Allianz Art Privat, Bernheimer Contemporary